Jakob

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Cicerone Performance Dr. Rudolf H. Röttinger

Johann Jakob Röttinger-Fehr

Der Stammvater der Röttinger in Zürich

Geboren 24. März 1817 in Nürnberg
Vater Konrad Röttinger, Nadlermeister in Nürnberg. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verdrängt das Maschinen- und Fabrikwesen viele Handwerks- und Gewerbebetriebe; Berufszweige wie Nadler, Gürtler, Knopfmacher, Kammmacher und Seifensieder verschwinden völlig.
Mutter Susanna Helena Röttinger-Zeitler in Nürnberg.
Ausbildung Kunstschule in Nürnberg und Düsseldorf, Gehilfe beim Glas- und Porzellanmaler Franz Joseph Sauterleute (Weingarten 1796 bis 1843 Nürnberg) in Nürnberg. Die Zunftbestimmungen im vorrevolutionären Deutschland verunmöglichen Johann Jakob Röttinger, selber in Nürnberg Meister zu werden.
In Zürich ab 7. Mai 1844 als Gehilfe beim bereits 1828 aus Nürnberg in Zürich eingewanderten Glasmaler Johann Andreas Hirnschrot (1799 bis 21. Dezember 1845). Ab 13. März 1848 Etablierung als Glasmaler. Das Jahr 1845 gilt als Gründungsjahr der Glasmalerei Röttinger in Zürich.
Heirat Getraut im Grossmünster am 23. Juli 1848 mit Verena Fehr («s schöö Vreeli») aus Ossingen (Kanton Zürich) (21. Juli 1826 bis 16. Mai 1887).
Bürger von Zürich 20. Oktober 1863 (Die Einbürgerungsurkunde der Schweizerischen Eidgenossenschaft und des Regierungsrates des eidgenössischen Standes Zürich vom 10. Oktober 1863 ist vom ersten Staatsschreiber Gottfried Keller unterzeichnet).
Werkauswahl Aadorf (ehemals paritätische, heute k[atholische] K[irche]); Alterswil (k. K.); Alt St. Johann (1869/1870 k. Pfarrkirche St. Johann, Chorfenster); Baar (r[eformierte] K.); Baden (Kanton Aargau) (ehemaliges Kapuzinerkloster und r. K.); Basel (Münster: 1856 6 Rosetten im Chor, 1860 Rosette der Galluskapelle; französische K.); Bellikon (k. K.); Bünzen (1861? k. K.); Burgdorf (Stadtk.); Einsiedeln (1860 Kapelle im Viertel Gross, 1862 Kapelle Maria End auf dem Katzenstrick); Fislisbach (k. K.); Frauenfeld Oberkirch (paritätische K. St. Laurentius); Glarus (ehemals paritätische, heute r. K.); Glis (k. K.); Gonten (Appenzell Innerrhoden) (k. K., Fenster mit Johannes); Hauterive (Zisterzienserabtei); Heitenried (k. K.); Kappel am Albis (Kanton Zürich) (1871 ehemalige Klosterk.); Königsfelden (1851 Erstellen von Zeichnungen und wahrscheinlich Restaurierungen in der Klosterk.); Leuggern (1853); Meilen (r. K.); Mellingen (1865 Kapelle St. Antonius); Menzingen (Kanton Zug) (1873 k. K. Finstersee); Muri (Kanton Aargau) (k. K.); Niederhasli (r. K.); Oberentfelden (1865 r. K.); Oberrohrdorf (k. K.); Oberrüti (k. K.); Pieterlen (1859 r. K.); Rapperswil (Kanton St. Gallen) (1855 Hauptplatz 1, Rathaus, 2. Obergeschoss, Ratssaal); Regensdorf (r. K.); St. Gallen (r. K. St. Laurenzen); Schlatt (Kanton Zürich) (r. K.); Sion (Kathedrale); Solothurn (r. K.); Stäfa (r. K.); Thalwil (r. K.); Unterägeri (k. K.); Utzenstorf (1873 r. K.); Uznach (k. K.); Villmergen (k. K.); Wädenswil (1862 r. K., Christus, Petrus und Paulus); Zufikon (1869); Zug (k. K. St. Oswald); Zürich (1845 k. Augustinerkirche, 1853 Chor Grossmünster, 1854 Fraumünster, seinerzeitige Chorfenster oder Fenster in der Westfront). Bemerkenswerterweise gehören sowohl katholische als auch reformierte Kirchgemeinden zur Kundschaft, da in der Schweiz erst wenige Ateliers zur Auswahl stehen und die Glasgemälde von Johann Jakob Röttinger sehr geschätzt werden. Neben der sakralen auch Kabinettglasmalerei und zahlreiche Restaurierungen von mittelalterlichen Originalen. Im zwanzigsten Jahrhundert wird ein Grossteil der Fenster als unzeitgemäss bewertet, ausgeglast und zerstört. Seit 1980 steigt das Interesse am erhaltenen Werk. So sind beispielsweise in der Kirche Pieterlen die am 16. Oktober 1859 eingeweihten, von Sigmund Heinrich von Wildermett (1801-5. März 1883) gestifteten und vom Lokalhistoriker Heinz Rauscher auf dem Estrich der Kirche in gefaltetem Zustand entdeckten Südfenster des Chors restauriert und seit dem 3. November 2002 wieder an ihrem ursprünglichen Platz zu sehen.
Nachkommen Susanna Helena («Susettli») Röttinger (8. Mai 1849 bis 19. März 1900, ledig); Klara Louise Leemann-Röttinger (12. August 1852 bis Herbst 1948); Anna Elisabetha («Elise») Röttinger (8. Juni 1856 bis 22. November 1910, ledig); Verena Karolina («Vreneli») Steuble-Röttinger (15. November 1859 bis 26. August 1937); Ida Karolina Mantel-Röttinger (22. Juli 1861 bis 24. April 1917); Jakob Georg («Schorsch») Röttinger (30. Dezember 1862 bis 28. Februar 1913, ledig); Heinrich (signiert «Henri» oder «Henry») Röttinger-Zweifel (7. Juni 1866 bis 12. Juli 1948).
Gestorben mitten aus der Arbeit am 29. Januar 1877 in Zürich an einer Lungenentzündung; er erkältet sich wegen der grossen Temperaturdifferenz zwischen dem Brennofen in der Werkstatt und der winterlichen Aussenluft.

Quellen

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CRESPO, Maria: Verwalten und Erziehen: Die Entwicklung des Zürcher Weisenhauses 1637-1837. 295 S. Zürich: Chronos, 2001. ISBN 3 0340 0500 8. Seite 31: Aussterben des Nadlerhandwerks.

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GUGGISBERG, Klaus: Der Sprung in den Brunnen. Das Giacometti-Fenster im Fraumünster. Predigten von Klaus GUGGISBERG. 159 S. Zürich: Arborea / Stäfa: Th. Gut, 1996. ISBN 3 85717 102 2. Seite 15 des Kapitels «Seit 1100 Jahren farbige Kirchenfenster?» von Walter BAUMANN: [Johann] Jakob Röttinger ist 1817 und nicht 1842 geboren.

HASLER, Rolf: Glasmalerei im Kanton Aargau. [Band 3:] Kreuzgang von Muri. Einführung zur Geschichte des Klosters Muri: Peter FELDER. Farbfotografien Franz JAECK. 10+282 S. [Aarau]: Regierungsrat des Kantons Aargau / Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, 2002. ISBN 3 906738 34 5. Seite 43, Anmerkung 71.

HASLER, Rolf: Glasmalerei im Kanton Aargau. [Band 4:] Kirchen und Rathäuser. Farbfotografien Franz JAECK. 10+330 S. [Aarau]: Regierungsrat des Kantons Aargau / Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, 2002. ISBN 3 906738 35 3. Seite 210: Oberentfelden.

HAUSER, Andreas: Das öffentliche Bauwesen in Zürich. Erster Teil: Das kantonale Bauamt 1798-1895. Kleine Schriften zur Zürcher Denkmalpflege, Heft 4. 184 S. Zürich: Baudirektion Kanton Zürich, Hochbauamt, Kantonale Denkmalpflege, 2001. ISBN 3 905647 30 3. Seite 119: Scheibe mit Zürcher Kantonsschild in der Kirche des ehemaligen Zisterzienserklosters Kappel am Albis und Inschrift zum aktuellen Geschehen: «1871» Preis Brod, Preis Rindfleisch, Preis Butter. «Diese Fenster wurden neu gemacht unter Leitung des Herrn Cant. Bauinspr. [Johann Jakob] Müller, Herrn [Johann Rudolf] Roth, Bauführer, von J[akob] Röttinger, Glasmaler Zürich 1871». In Kleinschrift: «Der Wein war heuer so sauer, dass er fast nicht trinkbar ... Die Arbeiter machen Strike ... Die Herren verlumpen bald alle; Unterdessen ist Unserm [Glasmaler Felix] Bleuler seine Brille gebrochen ... ». Inschriften dieser Art sind nicht als «respektlos-sarkastisch» zu werten, sondern bei Kunsthandwerkern im sakralen Bereich (Orgelbauer, Dokumente von Spenglern in Turmspitzenkapseln) alte Tradition.

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Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Deutsche Ausgabe besorgt von H. TRIBOLET. Siebenter und letzter Band: Tinguely - Zyro. Neuenburg: Victor Attinger / Administration des Historisch-Biographischen Lexikons der Schweiz, 1934. Seite 537: Artikel zu Sigmund Heinrich von Wildermett.

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ZIEGLER, Peter [Redaktion]: Reformierte Kirche Wädenswil: Innenrenovation 1998/99. 36 S. [Wädenswil]: Reformierte Kirchenpflege Wädenswil, 1999.

© Cicerone Performance Dr. Rudolf H. Röttinger
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Fassung vom 1. Juli 2008
Letzte Revision 1. Juli 2008
Nächste Revision 1. August 2008