1700-1850

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Cicerone Performance Dr. Rudolf H. Röttinger

Das Haus zum Sankt Paulus an der Oetenbachgasse

Geschichte von 1700 bis 1850

bis 1727 Erben von Hans Felix Zimmermann.
1714 Kauf durch Christoph Waser, Tischmacher. Der Aufbau eines Stockes wird ihm nicht bewilligt, so dass er den Kauf rückgängig macht.
1718 Auf dem Sturz des ehemaligen hofseitigen Kellereinganges steht die Inschrift «Zum Sandt Paulus A. 1718». Die Schrift ist der Verwitterung zum Opfer gefallen und der ehemalige beim Hinterhauseingang eingemauerte Sturz wird 1985 abgeschlagen und verputzt. 1718 darf der Abschluss grösserer Bauarbeiten, möglicherweise der Aufbau des dritten Obergeschosses angesetzt werden, da die Halterungen der Fensterläden an der Südfassade exakt mit denjenigen am 1714 renovierten Konstanzerhaus, Kirchgasse 30/32, übereinstimmen. Die Gruppe der drei Häuser mit Apostelnamen (Sankt Petrus Oetenbachgasse 11, Sankt Paulus Oetenbachgasse 13 und Sankt Johannes Oetenbachgasse 15) ist somit nachreformatorisch; daraus lässt sich kein Bezug zum Kloster Oetenbach konstruieren.
1728-1742 David Stadler.
1751 Familie Koller. Unter anderem gehört das Haus Hans Jakob Koller, Glockengiesser und Gerichtsherr zu Wetzikon. Er wohnt nicht darin und vermietet es.
1778-1812 Familie Kitt.
1782 Auf privater Basis wird die Brandassekuranz (Feuerversicherung für Gebäude) errichtet; am 16. Dezember 1808 beschliesst der Grosse Rat das Gesetz über eine allgemeine obligatorische Brandversicherung, was 1809 zur Verstaatlichung führt. Assekuranznummerierung des Hauses zum Sankt Paulus: Kleine Stadt Nummer 325a. Ab Beginn des 19. Jahrhunderts werden in Zürich die Assekuranznummern allgemein an Stelle der Hausnamen verwendet.
1794 Im Zürcher Stadtplan, den Ingenieur Johannes Müller (1733-8. April 1816) zwischen 1788 und 1793 aufgenommen und am 10. Februar 1794 der Zürcher Obrigkeit überreicht hat, ist das Haus im Quartier IX mit Nummer 49 und Name «St. Paul» verzeichnet. Als Eigentümer wird H[er]r Kitt, Sensal, angegeben. Der Assekuranzwert beträgt 6'000 Gulden. Zum Vergleich: Als Entschädigung für seine gut fünfjährige Arbeit am Stadtplan spricht der Rat Johannes Müller eine Entschädigung von 1'000 Gulden und ein Kostenersatz von 400 Gulden zu.
1816 Tischler Nüscheler, Haus mit Werkstatt.
1835 Am Ostertag kauft der Weinhändler Emanuel Hess-Mahler (1806-1883) das Haus. Er hat Fässer im Keller, die durch vier Öffnungen im Gang des heutigen Entresols gefüllt werden können. Bei der Erstellung des Gangbodens im Jahre 1913 sind die vier runden Aussparungen offengehalten worden und - 1984 zubetoniert - noch erkennbar. Elias Landolt (28. Oktober 1821-18. Mai 1896), Oberforstmeister des Kantons Zürich und Professor an der Forstschule des Eidgenössischen Polytechnikums, heiratet am 12. Oktober 1858 Berta Elisabetha Hess (1836-1866), eine Tochter von Emanuel Hess-Mahler. 1867 stirbt ihr Bruder Emil Hess, der 1859 bis 1867 in der Weinhandlung tätig ist. Auf Wunsch des Schwiegervaters Emanuel Hess-Mahler führt Elias Landolt 1867 bis 1879 neben seinem beruflichen Engagement im Forstwesen die Weinhandlung. Nach einem erfolglosen Interregnum des Schwagers, Buchhändler Theophil Hess, kann Elias Landolt die Weinhandlung 1882 käuflich erwerben. Der älteste Sohn, Emil Landolt-Landolt (1859-1938), wird 1882 Inhaber und Leiter. Er ist der Vater von Stadtpräsident Dr. iur. Emil Landolt-Stadler (23. September 1895-18. April 1995). Damit ist das Haus zum Sankt Paulus an der Oetenbachgasse 13 der ursprüngliche Geschäftssitz der heute an der Brandschenkestrasse 60 in Zürich Enge domizilierten Firma Landolt Weine AG.
1843 Emanuel Hess-Mahler, Haus mit Werkstätte und Schopf.

Quellen

DUERST, Arthur: Ingenieur Johannes Müller 1733-1816: Der Zürcher Stadtplan von 1788-93. 24 S. Zürich: Matthieu, 2001. ISBN 3 906998 04 5.

ESCHER, Konrad / HOFFMANN, Hans / KLAEUI, Paul: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band V: Die Stadt Zürich. Zweiter Teil. Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Zweiundzwanzigster Band. 12+512 S. Basel: Birkhäuser, 1949. S. 193.

ESSEK, Herbert [Text] / SCHAER, Ursula [Illustrationen]: Die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich: 175 Jahre im Dienste der Sicherheit. 40 S. Zürich: Gebäudeversicherung des Kantons Zürich, [1983].

GUYER, Paul: Zürcher Hausnamen. Mit einem Häuserverzeichnis der Zürcher Altstadt. 81 S. Erweiterter Sonderdruck aus dem Jahrbuch vom Zürichsee 1951/52. Kleine Schriften des Stadtarchivs Zürich, sechstes Heft. Zürich / Stäfa, o. V., 1953.

KLAEUI, Paul: Brief an Heinrich Röttinger-Zweifel vom 24. April 1948 mit Beilage «Besitzer und Bewohner des Hauses zum St. Paul an der Oetenbachgasse in Zürich».

LANDOLT, Elias [* 24. Juli 1926]: Elias Landolt 1821-1896: Ein Leben für den Wald. 54 S. Neujahrsblatt auf das Jahr 2002. Herausgegeben von der Gelehrten Gesellschaft in Zürich. Zürich: Gelehrte Gesellschaft / Buchhandlung Beer, 2002. ISBN 3 906262 13 8.

LANDOLT, Peter: Freundliche Auskunft und Dokumentation über die Firmengeschichte der Landolt Weine AG vom 16. April 1999.

© Cicerone Performance Dr. Rudolf H. Röttinger
Homepage http://www.roettinger.ch oder http://www.cicerone.ch
Fassung vom 1. Januar 2005
Letzte Revision 1. Juli 2008
Nächste Revision 1. August 2008